· 

Was ist mir bei einer Unternehmensbewertung NICHT wichtig?

Kauft man eine Aktie, kauft man einen Teil eines Unternehmens.

 

Es klingt zwar banal, aber Anleger sollten sich dies immer wieder aufs Neue bewusst werden. Denn in der Börsenwelt hört man ständig Kauf- oder Verkaufsargumente, die mit dieser Aussage nur wenig in Einklang stehen. Deshalb möchte ich hier wenigstens ein paar Dinge ansprechen, welche bei mir keine Rolle bei einer Unternehmensbewertung, und damit eventuell verbundenem Kauf bzw. Verkauf von Aktien, spielen.


1. Welcher Wochentag gerade ist

Es klingt zwar seltsam (zumindest für mich), aber es gibt tatsächlich „Investoren“, welche nur an bestimmten Wochentagen kaufen bzw. verkaufen. Sie haben die vergangenen Jahre und Jahrzehnte analysiert und ausgewertet und anhand der Ergebnisse bestimmt, welche Tage am besten zum Kaufen und Verkaufen geeignet sind. Doch führen wir uns den ersten Satz dieses Blogbeitrages wieder vor Augen:

 

„Kauft man eine Aktie, kauft man einen Teil eines Unternehmens.“

 

Was hat nun der Wert eines Unternehmens mit dem Wochentag zu tun? Ist z. B. Coca-Cola jeden Dienstag mehr wert als jeden Donnerstag? Ich bin mir sehr sicher, dass das nicht der Fall ist. Und wenn an einem Tag der Aktienkurs so günstig ist, dass ich kaufen würde, ist mir folglich der Wochentag egal, denn ich kaufe einen Teil eines Unternehmens.


2. Chartverlauf bzw. Charttechnik

Charttechnik ist weltweit sehr verbreitet und erfreut sich großer Beliebtheit. Worum geht es dabei? Wir schauen uns einfach den vergangenen Aktienchart eines Unternehmens an und sagen anhand von bestimmten Konstellationen den zukünftigen Verlauf (oder die zukünftige Tendenz) voraus. Diese Konstellationen können sogar von Computerprogrammen bestimmt werden, sodass wir quasi fast nichts mehr machen müssen. Wir müssen auch keine Geschäftsberichte lesen, keine Konkurrenz analysieren und noch nicht einmal wissen, womit das Unternehmen eigentlich Geld verdient (oder ob es überhaupt Geld verdient). Minimaler Aufwand und trotzdem Gewinne an der Börse erzielen. Das klingt nicht nur zu schön, um wahr zu sein, sondern ist es meiner Meinung nach auch.

 

Frühere Kurse einer Aktie haben nichts mit dem aktuellen Wert eines Unternehmens zu tun. Wieso sollte ich also meine Kauf- und Verkaufsentscheidungen davon abhängig machen?

 

Würde Charttechnik funktionieren, könnten wir relativ kurzfristige (wenige Wochen oder Monate) Kursbewegungen vorhersagen und schnell Geld verdienen. Wir würden uns also so viel Geld wie möglich leihen und sehr schnell sehr viel Geld verdienen. Da (fast) jeder schnell ans große Geld kommen möchte, würde dies quasi jeder machen, denn es spricht sich schnell herum, wenn es eine einfache sichere Möglichkeit gibt, schnell reich zu werden. Dies ist aber natürlich nicht der Fall. Es erinnert eher an die Goldräusche in Nord- und Südamerika, bei denen tausende Menschen den schnellen Reichtum wollten (natürlich wurden die meisten nicht reich).

 

Es möchte hingegen kaum jemand langsam reich werden, weshalb langfristiges Investieren und Value-Investing nur von relativ wenigen Leuten über Jahre hinweg durchgehalten wird. Zudem erfordert es einen größeren Aufwand, da Unternehmen analysiert werden müssen und psychische Stärke, damit man nicht von Emotionen gesteuert wird. Doch genau diese Schwierigkeiten macht es uns Value-Investoren, möglich langfristig erfolgreicher als der Durchschnitt bzw. als Indizes zu sein.

 


3. Mein Einstiegskurs

Immer wieder höre ich von „Investoren“, dass sie, nachdem der Kurs ihrer Aktien gefallen ist, wieder verkaufen wollen, sobald ihr Einstiegskurs erreicht wurde. Steigt der Kurs hingegen nach einem Kauf, verkaufen viele wieder, sobald sie 10, 20 oder 30 % Gewinn haben, da ihnen dies reicht und sie Angst haben, den Gewinn wieder zu verlieren. Ich hingegen halte nichts davon, meine Kauf- bzw. Verkaufsentscheidungen von meinem eigenen Einstiegskurs abhängig zu machen, denn die Aktie kennt meinen Einstiegskurs nicht (alles andere würde mich sehr überraschen). Hier also wieder mein wichtiger Satz vom Anfang des Blogbeitrages:

 

„Kauft man eine Aktie, kauft man einen Teil eines Unternehmens.“

 

Ich bewerte also das Unternehmen und kaufe, wenn ich den aktuellen Kurs für günstig genug halte, und verkaufe, wenn ich den aktuellen Kurs für zu teuer halte oder für fair befinde und eine bessere Anlagemöglichkeit gefunden habe. Es kann also auch sein, dass ich eine Aktie mit Verlust verkaufe, da ich nach einer Neubewertung dazu gekommen bin, dass der Kurs zu hoch ist, oder dass ich eine Aktie behalte, auch wenn sich der Kurs bereits verdoppelt hat.


4. PolItische Lage bzw. politische Veränderungen

Immer wieder liest man, „politische Börsen haben kurze Beine“. Und dem stimme ich zu, zumindest meistens. Natürlich gibt es Ausnahmen. Ein einfaches Beispiel ist die Politik in Nordkorea. Dort würde ich nicht investieren, auch wenn es einen leicht zugänglichen Aktienmarkt geben würde. Aber auch die neue Steuerreform in den USA hat Einfluss auf meine Unternehmensanalyse, da sich diese unmittelbar auf die Gewinne der Unternehmen auswirkt.

 

Allerdings schwanken Börsenkurse auch sehr stark, wenn z. B. Trump wieder einmal einen Tweet über Zölle veröffentlicht oder England aus der EU austreten will. Solche Dinge interessieren mich nur sehr wenig, zumindest wenn es darum geht Unternehmen zu analysieren. Hier konzentriere ich mich lieber auf die Unternehmen selbst und freue mich, wenn durch solche politischen Ereignisse günstige Kurse zustande kommen.


5. SL (Stopp Loss)

Zum Abschluss noch ein kurzer Kommentar zu SL (Stopp Loss). Relativ viele Privatanleger verwenden einen SL, um ihre Verluste zu begrenzen. Hiervon halte ich nur sehr wenig bzw. gar nichts. Wie in 3. beschrieben, hat der Wert eines Unternehmens nichts mit meinem persönlichen Einstiegskurs zu tun. Wieso sollte ich dann also verkaufen, wenn eine bestimmte Verlustschwelle überschritten wurde? Warren Buffett hat einmal gesagt:

 

„Der Aktienmarkt ist der einzige Markt, vor dem die Leute weglaufen, wenn dort ein Ausverkauf stattfindet.“

 

Wenn ich von einem Unternehmen überzeugt bin und der Kurs fällt, muss ich mich doch eigentlich freuen, dass ich Anteile von diesem Unternehmen jetzt noch günstiger bekomme. Ein SL hat bei mir also nichts verloren.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Viele der auf meiner Website inkl. Blog erwähnten Werte halte oder handle ich persönlich. Die auf meiner Website inkl. Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.