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EBITDA

Vorweg: Ich möchte hier lediglich einen Diskussionsansatz schaffen. Ich spreche auf meiner gesamten Homepage keine Kauf- und Verkaufsentscheidungen aus. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Bitte beachtet dazu auch meinen rechtlichen Hinweis nach WPHG am Ende der Seite bzw. in meinem Impressum.


Ein weit verbreitetes Phänomen bei Führungskräften, in den unterschiedlichsten Unternehmen, ist die Fokussierung auf das EBITDA (earnings before interest, taxes, depreciation and amortization; deutsch: Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände).

 

Anscheinend sehen sie Abschreibungen, Steuern und Zinsen nicht als Ausgaben an. Da stellt sich mir die Frage, was diese Dinge sonst seien sollen.

 

Betrachten wir dazu in einem vereinfachten Beispiel die fiktive Firma "Gewinn AG", welche alle 10 Jahre für 10 Mio. € neue Maschinen für die Produktion ihrer Waren benötigt. In der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) wird so getan, als ob die 10 Mio. € nicht alle 10 Jahre anfallen, sondern dass konstante jährliche Kosten in Höhe von 1 Mio. € entstehen. Nach 10 Jahren wiederholt sich das Spiel dann wieder. Dieses „Abschreiben“ bzw. Aufteilen auf 10 Jahre macht auch durchaus Sinn, da die Maschinen auch 10 Jahre verwendet werden. Jedes Jahr wird also ein Zehntel der Maschinen abgenutzt.

 

Die "Gewinn AG" hat einen jährlichen konstanten Umsatz von 1,5 Mio. € und sonstige jährliche Kosten (Personal etc.) in Höhe von 1 Mio. €. Der Umsatz minus den „sonstigen“ Kosten ergeben in diesem Beispiel das EBITDA in Höhe von 0,5 Mio. €. Der CEO der "Gewinn AG" ist begeistert und prahlt in aller Öffentlichkeit damit, dass ein Drittel des Umsatzes seines Unternehmens im EBITDA übrigbleibt. Die Kosten (Abschreibungen) für die Maschinen, welche über 10 Jahre abgeschrieben werden, tauchen darin allerdings nicht auf.

 

Wir haben also neben den jährlichen Kosten für Personal etc. in Höhe von 1 Mio. € weitere durchschnittliche jährliche Kosten von nochmals 1 Mio. €. Diese Kosten sind real, werden einmal (in Höhe von 10 Mio. €) alle 10 Jahre gezahlt, aber sind nicht im jährlichen EBITDA zu finden. Jeder Siebtklässler würde verstehen, dass ein Unternehmen, welches jährlich im Durchschnitt 1,5 Mio. € einnimmt und 2 Mio. € ausgibt, nicht lange erfolgreich sein kann. Trotzdem prahlt unser fiktiver CEO mit seinem positiven EBITDA in Höhe von 0,5 Mio. €.

 

Des Weiteren werden, wie bereits erwähnt, die Steuern durch die Betrachtung des EBITDA unter den Tisch gekehrt. Jeder, der der Meinung ist, dass Steuern keine Ausgaben sind, kann gerne auf eigene Verantwortung mal Folgendes versuchen: Nehmt jeden Monat euren Bruttolohn, zieht die Beiträge für Krankenkasse, Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung ab und lasst es euch vom restlichen Geld so richtig gut gehen. Euch wird dann sehr schnell auffallen, dass euer Geld immer weniger wird und Steuern doch irgendwie reale Kosten sein müssen.

 

Zu guter Letzt bleiben gezahlte Zinsen im EBITDA außen vor. Wären Zinsen keine Kosten, wären sie folglich für den Kreditgeber auch keine Einnahmen. Wer zufällig eine Bank kennt, welche Zinserträge nicht als Einnahmen ansieht, kann sich gerne bei mir melden. Unser Beispiel-CEO schwärmt aber weiterhin von seinem fantastischen EBITDA.

 

Damit das Ganze etwas anschaulicher wird, betrachten wir ein aktuelles reales Beispiel:

 

Dazu vergleichen wir die beiden Fashion-Unternehmen Fossil und Movado, welche sogar eine sehr ähnliche Marktkapitalisierung haben. Fossil ist aktuell etwa 345 Mio. $ wert und Movado ca. 392 Mio. $ (Stand: 03.02.2020). Betrachten wir von jedem das letzte abgelaufene Geschäftsjahr, sehen wir Folgendes: Fossil erzielte im Geschäftsjahr 2018 (endete am 31.12.2018) operative Einnahmen in Höhe von 63 Mio. € und Movado im Geschäftsjahr 2019 (endete am 31.01.2019) operative Einnahmen in Höhe von 62 Mio. €. Wir sehen also, dass an dieser Stelle beide gleichauf liegen. Doch sind hier, wie beim EBITDA, weder Zinsen noch Steuern berücksichtigt.

 

Fossil hat einige Schulden und musste 2018 etwa 43 Mio. $ an Zinsen zahlen. Dazu kamen noch 21 Mio. $ an Steuern, sodass im Netto nichts mehr übriggeblieben ist. Movado hingegen hat kaum Schulden und musste deshalb nur 1 Mio. $ an Zinsen zahlen. Zudem haben sie im Vorjahr zu viel Steuern bezahlt, sodass sie 2019 keine Steuern mehr abgeben mussten. Das Nettoergebnis ist folglich nahezu gleich dem operativen Ergebnis und somit hat Movado im letzten Geschäftsjahr knapp 62 Mio. $ netto verdient und Fossil annähernd 0 $.

 

Es sei erwähnt, dass Movado natürlich in Zukunft wieder Steuern zahlen muss und wahrscheinlich mit einem Körperschaftsteuersatz von 21 % gerechnet werden kann.

 

Hinweis: Weder Fossil noch Movado habe ich hier ausführlich analysiert. Es ging mir lediglich darum zu zeigen, dass das EBITDA allein keinerlei Aussagekraft hat.

 

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