Jahresbericht 2016

Vorweg: Ich möchte hier lediglich einen Diskussionsansatz schaffen. Ich spreche auf meiner gesamten Homepage keine Kauf- und Verkaufsempfehlungen aus. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Bitte beachtet dazu auch meinen rechtlichen Hinweis nach WPHG am Ende der Seite bzw. in meinem Impressum.

Auch wenn mein erster Jahresbericht eigentlich gar kein vollständiger Jahresbericht ist, da ich erst am 22.02.2016 angefangen habe aktiv zu investieren, möchte ich euch im Folgenden einen kleinen Überblick über meine Investments im Jahr 2016 geben.

Eine wichtige Anmerkung noch vorweg: Bei sämtlichen Bewertungen ist natürlich die jeweilige Landeswährung ausschlaggebend für mich, ob ein Unternehmen günstig oder teuer bewertet ist. Da ich allerdings nur meine Einkaufspreise in Euro habe, werde ich hier auch nur diese angeben.


Positionen

Royal Dutch Shell und BASF

Meine ersten beiden Investments waren Royal Dutch Shell und BASF im Februar bzw. März. Beide waren aufgrund des massiven Rückgangs der Ölpreise sehr günstig im Frühjahr zu haben. Hier konnte man schön sehen, was Panik bei manchen Aktionären so anstellen kann. Es gab schon Kursziele von 10 Dollar je Barrel. Leider hat es nicht sehr lange gedauert und die Ölpreise haben wieder gedreht. Eine länger Phase bei 30-35 Dollar je Barrel (oder noch niedriger) wäre mir lieber gewesen, denn dann hätte ich noch mehr Aktien der beiden Firmen zu guten Kursen kaufen können. So haben sich aber meine beiden Positionen, die zum 31.12.2016 zusammen einen Anteil von über 16 % an meinem Portfolio ausgemacht haben, bis zum Jahresende sehr gut entwickelt (Shell +31,86 %; BASF +41,29 %; jeweils inkl. Dividende).

Nestle

Als größter Nahrungsmittelkonzern der Welt ist Nestle ein sehr sicheres Investment, bei dem kurzfristig keine großen Sprünge zu erwarten sind (weder nach oben noch nach unten). Langfristig denke ich allerdings, dass ein solides Wachstum relativ sicher ist. Im Gegensatz zu meinen ersten beiden Anlagen (Shell und BASF) war Nestle zu meinem Kaufzeitpunkt nicht günstig, sondern eher fair bewertet. Sollte es hier irgendwann zu einer günstigen Bewertung kommen, werde ich bei so einem top Unternehmen nicht zögern und nachkaufen.

Amazon

Eines der weltweit erfolgreichsten und bekanntesten Unternehmen der Welt ist wohl Amazon. Sowohl bei privaten als auch bei professionellen Investoren ist deshalb die Aktie sehr beliebt. Ich sehe das Investment in Amazon als meinen größten Anlagefehler im Jahr 2016, weshalb ich mich von meinen Anteilen schon wieder getrennt habe und das Geld lieber in Alibaba investiert habe. Ich habe zwar mit einem Gewinn von 22,86 % verkauft, aber nach meiner Anlagestrategie hätte ich Amazon zu diesem Preis nie kaufen dürfen. Amazon ist eine grandiose Firma, keine Frage. Und es kann auch gut sein, dass der Aktienkurs weiterhin pro Jahr 15, 20 oder mehr Prozent steigt. Allerdings investiert Amazon sehr viel des Umsatzes in neue Geschäftsfelder. Hier wird mit großen Summen sehr viel ausprobiert. Vieles davon hat in den letzten Jahren funktioniert, manches aber auch nicht (z.B. das Amazon Fire Phone). Für die aktuell hohe Bewertung ist mir dieses Investment einfach nicht rentabel genug, auch wenn ich weiß, dass mir hier wahrscheinlich viele widersprechen werden.

Bayer

Aufgrund der riesigen Offerte für Monsanto ist der Kurs von Bayer eingebrochen. Niemand weiß genau, wie diese enorme Finanzierung vonstatten gehen soll und Unwissenheit ist bekanntlich nie gut für Aktienkurse. Mein Einstiegskurs von 90,59 Euro im Mai erschien mir allerdings als durchaus fair, egal ob die Übernahme genehmigt wird oder nicht. Auch wenn bei Monsanto aktuell nicht alles rund läuft, ist es wirtschaftlich auf lange Sicht keine schlechte Firma, wenngleich das Angebot von Bayer mir zu hoch erscheint.

Rio Tinto

Als zweitgrößter Bergbaukonzern der Welt hat auch der Aktienkurs von Rio Tinto sehr gelitten durch die stark gefallenen Rohstoffpreise. Ähnlich wie bei bei Shell und BASF hatten hier die Anleger immer größere Angst vor immer weiter fallenden Rohstoffpreisen. Für mich als Value-Investor war dies eine sehr gute Chance, günstig bei 24,81 Euro zu kaufen. Da sich der Kurs aber sehr schnell erholt hat, wurde Rio Tinto mein bisher kürzestes Investment. Ich habe sie dann im November mit einem Gewinn von 41,75 % wieder verkauft, um das Geld in Apple zu investieren.

BB Biotech

BB Biotech ist eine Beteiligungsgesellschaft im Bereich Biotechnologie. Der gesamte Nasdaq Biotechnology und auch BB Biotech haben von ihren Hochs in 2015 bis zu meinem Kauf im Juli 2016 gut 35 % verloren hat. Somit bin ich auch hier antizyklisch eingestiegen. Der große Unterschied zwischen meinen anderen Investments ist, dass BB Biotech eine Beteiligungsgesellschaft ist, welche nicht wie ein normales Unternehmen analysiert werden kann. Viel mehr müsste ich jede einzelne Beteiligung analysieren, was ich zugegebenermaßen nicht getan habe. Stattdessen habe ich mir das Management angeschaut, welches mich aufgrund der hervorragende Arbeit in den vergangenen Jahren überzeugt hat.

Berkshire Hathaway

Die zweite Beteiligungsgesellschaft, von der ich Anteile gekauft habe, ist die allseits bekannte Firma Berkshire Hathaway unter Führung von Warren Buffett und seinem Vize Charles Munger. Inzwischen ist Berkshire Hathaway ein riesiges Konglomerat. Neben Minderheitsbeteiligungen von Coca Cola, Kraft Heinz, Wells Fargo etc. gehören etliche komplett gekaufte Firmen wie z.B. Geico, General Re, Duracell etc. Um sich nur eine interessante Zahl hier anzuschauen:

Trotz der bereits enormen Größe haben es Warren Buffett und Charles Munger geschafft, den Umsatz von 2004 bis 2016 auf ca. 223 Millarden US-Dollar zu verdreifachen. Das gelingt, indem Unternehmen (oder Anteile davon) gekauft werden, die oft große Burggräben haben, fantastische Gewinne erzeugen, ein gutes Management haben etc. und gleichzeitig günstig oder fair bewertet sind. Natürlich bin ich mir im Klaren, dass Berkshire Hathaway inzwischen so groß ist, dass ein durchschnittliches jähriches Wachstum von 20 % in der Zukunft unrealistisch ist. Denn wie sagt Warren Buffett selbst: Bäume wachsen nicht in den Himmel. Trotzdem bin ich von seiner Beteiligungsgesellschaft auch langfristig überzeugt und rechne mit guten Renditen bei einem geringen Risiko, auch wenn der inzwischen 86 Jahre alte Warren Buffett irgendwann nicht mehr die Geschäfte selbst leiten wird. Kommt es hier irgendwann zu einem Kursrutsch, sodass mir der Preis fair oder günstig erscheint, kaufe ich ohne bedenken nach.

Novo Nordisk

Der weltweit größte Insulinhersteller hat 2016 seine Wachstumsprognosen ein ganzes Stück nach unten korrigiert, es wird aber weiterhin mit einem geringen Wachstum gerechnet. Trotzdem ist der Kurs um ca. 40 % eingebrochen. Aufgrund der sehr guten Marktstellung und dem weltweit immer weiter ansteigenden Bedarf an Insulin sehe ich für Novo Nordisk allerdings sehr positiv in die Zukunft. Desweiteren hat Novo Nordisk mit ihrer Dividende und immer wieder neuen Aktienrückkaufprogrammen eine sehr aktionärsfreundliche Politik. Meine erste Position habe ich bei 41,51 Euro aufgebaut und dann bei 32,09 Euro noch mal mehr als verdoppelt. Hier sieht man schön, dass fallende Kurse nicht zwangsläufig negativ sind, sondern für Value-Investoren ein Segen sein können. So konnte ich für weniger Geld noch mehr Anteile von Novo Nordisk kaufen. Bis zum Jahresende konnte sich der Kurs bereits wieder etwas von seinen Tiefs erholen und notiert inzwischen bei 34,24 Euro. Mit einem Minus von 5,12 % ist Novo Nordisk zwar mein schlechtestes Investment im Jahr 2016, wenn man nach der Kursentwicklung geht, aber für mich ist das Unternehmen entscheidend, und mit dem bin ich durchaus zufrieden.

Altria

Altria ist eines der größten Tabakunternehmen der Welt, mit weltweit bekannten Marken wie z.B. Marlboro und L&M. Obwohl die relative Anzahl an Rauchern weltweit abnimmt, nimmt die absolute Anzahl bedingt durch das weltweite Bevölkerungswachstum weiter zu. Ein großer Vorteil der Tabakindustrie sind z.B. sehr geringe Forschungsausgaben, da zumindest die Zigaretten selbst kaum weiterentwickelt werden müssen. Es gibt zwar auch neue Produkte, an denen geforscht wird, aber die Entwicklungskosten sind vergleichsweise niedrig. So kann ein großer Teil des Cashflows für Dividenden genutzt werden. Angst, dass plötzlich die Raucherzahlen stark zurück gehen, habe ich allein wegen des Suchtfaktors nicht. Somit sehe ich Altria als solides Investment, welches ich zu einem aus meiner Sicht fairen Preis (57,32 Euro) gekauft habe.

Wells Fargo

Wells Fargo ist einer der größten Banken in den USA und ist wegen eines riesigen Scheinkonten-Skandals etwa 20 % eingebrochen. Auch wenn die Aufarbeitung einige Zeit in Anspruch nehmen wird, gehört Wells Fargo für mich aus Investorsicht zu den besten Banken der Welt. Im Gegensatz zu vielen anderen Banken spielt das risikoreiche Investmentbanking eine untergeordnete Rolle, wodurch die Finanzkrise 2007/2008 so schnell überwunden werden konnte, wie bei kaum einer anderen Bank. Stattdessen konzentriert sich Wells Fargo auf das klassische Bankgeschäft (Privatkunden und Kleinunternehmen). Hier versteht es Wells Fargo wie kaum eine andere Bank, seine Kunden an sich zu binden, sodass die meisten Kunden gleich mehrere Finanzprodukte von Wells Fargo haben. Ein weiterer Vorteil ist die Größe, denn Wells Fargo zählt in den USA als systemrelevant. Für Warren Buffett ist dies ein kleiner Nachteil, denn hätte er mehr als 10 % von Wells Fargo, würde seine eigene Firma (Berkshire Hathaway) als systemrelevant gelten, was viele Auflagen zur Folge hätte. Da Wells Fargo immer wieder eigene Aktien zurückkauft, muss folglich Warren Buffett immer wieder Anteile von Wells Fargo verkaufen, um nicht über die 10 % Schwelle zu kommen. Alles in allem ist Wells Fargo für mich ein sensationelles Investment, welches ich bei günstigen bzw. fairen Kursen gerne vergrößern werde.

Walt Disney

Das bereits 1923 gegründete Medienunternehmen kennt heutzutage wohl fast jedes Kind. Die Entwicklung seitdem hätte wohl Walt Disney persönlich nicht besser schreiben können. Inzwischen gehören zu der Firma knapp 200.000 Mitarbeiter, welche einen Umsatz von über 50 Milliarden Dollar erwirtschaften. Dabei wird eine fantastische operative Marge von über 25 % erzielt. Die Freizeitparks laufen hervorragend und immer mehr Filme knacken die 1 Milliarde Dollar Marke. Doch der Rückgang an Werbeeinahmen und die Probleme mit dem eigenen Sportsender ESPN haben den Kurs der Walt Disney Aktie unter Druck gesetzt. Jedes noch so gute Unternehmen wird Jahre haben, in denen manche Bereiche Probleme machen. Ich sehe bei Walt Disney allerdings langfristig keine Gefahr, sodass ich meiner Meinung nach bei 85,75 Euro günstig einsteigen konnte. Auch wenn es vielleicht noch ein paar Jahre dauert, bis die Probleme endgültig vom Tisch sind, bin ich mit diesem Investment sehr zufrieden und kaufe bei günstigeren Kursen gerne weitere Anteile nach.

Nike

Der Hype in der Sportartikel Branche galt 2016 eindeutig Adidas, welche es geschafft haben, viel stärker zu wachsen als angenommen. Doch dort steckt meiner Meinung nach bereits viel Fantasie im Kurs, welchen ich persönlich inzwischen als sehr teuer ansehe. Nike hingegen hat etwas Marktanteile, vor allem in Nordamerika, verloren, wodurch Ängste bei den Anlegern entstehen, dass es so weiter gehen könnte. Ich sehe Nike aber weiterhin als eine ausgezeichnete Marke, welche ich meiner Meinung nach zu einem fairen Preis (46,11 Euro) kaufen konnte. Bei Rückgängen, werde ich mir überlegen, die Position weiter aufzustocken.

Apple

Die Marke Apple ist inzwischen ein riesiger Burggraben. Wer ein Iphone hat, will in der Regel auch kein anderes Smartphone mehr haben. Die Kundenbindung wird außerdem dadurch gestärkt, dass die Produkte (Iphone, MacBook, Apple Watch etc.) auf der einen Seite sehr gut kompatibel untereinander sind und zum anderen mit Nicht-Apple-Produkten oft nicht oder nur kompliziert kompatibel sind. Folglich kaufen Apple-Kunden sehr oft nicht nur ein Produkt von Apple, auch wenn das Iphone mit Abstand den meisten Umsatz und Gewinn generiert. Ein weiterer Vorteil ist, dass Apple durch die große Beliebtheit eine enorme Preissetzungsmacht hat und somit hohe Margen erzielen kann. Desweiteren ist die finanzielle Stabilität einmalig, denn die Barreserven belaufen sich inzwischen auf über 200 Milliarden Dollar.

Alibaba

Alibaba wird oft als das asiatische Amazon bezeichnet. Ich finde allerdings die Unterschiede groß genug, sodass ich (zum aktuellen Kurs) Alibaba als viel besseres Investment sehe als Amazon. Amazon möchte immer schneller in immer mehr Geschäftsfelder, sodass vom erwirtschafteten Umsatz kaum ein Gewinn übrig bleibt. Und als Aktionär darf man nie vergessen, dass einem ein Teil der Firma gehört, sodass der Gewinn des Unternehmens auch unser Gewinn ist. Alibaba streckt zwar auch immer weiter seine Fühler aus, schaffte es aber in 2015 eine fantastische operative Marge von knapp 30 % zu erzielen. Amazon hatte im Vergleich eine operative Marge von ca. 2 %. Ein großer Unterschied zu Amazon ist, dass Alibaba z.B. keine Produkte selbst verkauft, sondern lediglich seine Plattform zur Verfügung stellt, damit Firmen Produkte darauf verkaufen können. Der große Vorteil ist, dass z.B. keine Lagerkosten entstehen oder auch keine Kosten für etwaige Retouren etc. Zudem ist mein Einstiegskurs (84,15 Euro) bei Alibaba meiner Meinung nach sehr günstig, weshalb sie gleich meine 4. größte Position wurde.


Performancevergleich

Jahr  S&P 500 Euro Stoxx 50 DAX Mein Portfolio
2016 (ab 22. Februar)  15,08 % 12,15 %  19,92 %  27,33 %

Hinweis: Transaktionskosten, Steuern und Dividenden sind bereits in der Performance meines Portfolios berücksichtigt.

Mit einer Performance von ca. 7 Prozentpunkten besser als der DAX, ca. 12 Prozentpunkten besser als der S&P 500 und ca. 15 Prozentpunkte besser als der Euro Stoxx 50 bin ich für das Jahr 2016 sehr zufrieden. Es wird aber auch sicherlich Jahre geben, in denen ich schlechter performe als meine Vergleichsindizes und natürlich wird es Jahre geben, in denen ich Verlust machen werde.


Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß §34b WpHG: Der Autor hält Positionen an vielen der in diesem Artikel genannten Unternehmen, die von einer etwaigen aus der Publikation resultierenden Kursentwicklung profitieren.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0

RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.

Viele der auf meiner Website inkl. Blog erwähnten Werte halte oder handle ich persönlich. Die auf meiner Website inkl. Blog enthaltenen Beiträge sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Ich übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen.

Für Investitionen, die aufgrund meiner Aussagen getätigt werden, übernehme ich keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.