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STS Group - Kurzanalyse

Vorweg: Ich möchte hier lediglich einen Diskussionsansatz schaffen. Ich spreche auf meiner gesamten Homepage keine Kauf- und Verkaufsempfehlungen aus. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Bitte beachtet dazu auch meinen rechtlichen Hinweis nach WPHG am Ende der Seite bzw. in meinem Impressum.


Ich möchte auf meinem Blog nicht nur Unternehmensanalysen von Unternehmen, welche sich in meinem Depot befinden, vorstellen, sondern auch von jenen, welche ich aus gewissen Gründen nicht gekauft habe.

Bei einigen Menschen ist es so, dass sie sich ein Unternehmen schöner reden, je länger sie sich mit ihm beschäftigen. Der Grund dafür ist simpel. So haben sie mehrere Stunden oder sogar Tage ihrer kostbaren Zeit investiert, um das Unternehmen zu analysieren. Und niemand mag vergeudete Zeit, weshalb sie verschiedene Risiken bei den Unternehmen immer mehr ausblenden oder kleinreden. Auch wird die Zukunft des Unternehmens Stück für Stück optimistischer dargestellt, als sie es eventuell in Wirklichkeit ist.

Ich versuche hingegen so rational wie möglich zu sein (ich hoffe, dass es mir gelingt), und habe auch kein Problem damit, nicht zu investieren, obwohl ich mich Tage mit der Analyse eines Unternehmens beschäftigt habe. Heute möchte ich deshalb die

STS Group

kurz vorstellen und erläutern, weshalb ich aktuell keine Anteile kaufen werde.


Allgemeines

Die STS Group ist nach eigener Aussage ein weltweit führender Zulieferer von Komponenten und Systemen für die Nutzfahrzeug- und Automobilindustrie. Dabei sind sie mit 17 Werken und vier Entwicklungszentren in Frankreich, Italien, Deutschland, Polen, Mexiko, Brasilien und China geografisch breit aufgestellt.

Unterteilt ist die STS Group in die drei Segmente Acoustics, Plastics, Materials und China:

  1. Acoustics (Umsatz 2018 ca. 124 Mio. €): Entwicklung und Produktion von integrierten akustischen und thermischen Systemen und Komponenten, die Komfort für Nutzfahrzeuge und Pkw bieten.
  2. Plastics (Umsatz 2018 ca. 199 Mio. €): Fertigung einer Vielzahl von Karosserieaußenteilen und Innenmodulen für Lkw, Nutzfahrzeuge und Pkw.
  3. Materials (Umsatz 2018 ca. 40 Mio. €): Produktion von Halbfabrikaten und Faserformmassen, welche zum einen gruppenintern als Vorprodukte verwendet werden und zum anderen direkt an Kunden verkauft werden.
  4. China (Umsatz 2018 ca. 49 Mio. €): Im chinesischen Markt werden Komponenten aus Kunststoff für Nutzfahrzeuge sowie Teile für Pkw angeboten.

Finanzen

Ein weit verbreitetes Phänomen bei Führungskräften in den unterschiedlichsten Unternehmen ist die Fokussierung auf das EBITDA. Ein solches Verhalten ist auch schnell bei der STS Group zu erkennen. Dazu muss man lediglich den Anfang (Seite 3 – „AUF EINEN BLICK“) des aktuellen Geschäftsberichtes (2018) betrachten. Wieso mir dies nicht gefällt, werde ich in einen meiner nächsten Blogbeiträge näher erläutern.

Laut Geschäftsbericht erwartet das Management für 2019 eine Umsatzstagnation von 400 Mio. € und eine EBITDA-Verdopplung auf 24 Mio. €. Damit erhalten wir eine EBITDA-Rendite von mageren 6 %. Außerdem wird eine „signifikante Erhöhung des Nettoergebnisses“ erwartet. Dass das Nettoergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 ein Verlust in Höhe von 4,8 Mio. € war, wird an dieser Stelle im Geschäftsbericht nicht erwähnt, ist aber natürlich in der Gewinn- und Verlustrechnung zu finden.

Was bedeutet nun ein signifikant höheres Ergebnis? Eine schwarze 0? 5 oder 10 Mio. €? Ziehen wir vom erwarteten EBITDA in Höhe von 24. Mio. € noch angenommene 13 Mio. € an Abschreibungen (2018: 13,2 Mio. €) und 2 Mio. € an Steuern ab, bleiben noch etwa 9 Mio. € übrig. Bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von 66 Mio. € entspricht dies einem KGV von 7,3 und erscheint damit auf den ersten Blick sehr günstig. Allerdings bedeutet ein Gewinn in Höhe von 9 Mio. € bei einem Umsatz von 400 Mio. €, dass die Nettomarge winzig ist (2,25 %). Kommt es zu unerwarteten höheren Kosten, kommen wir sehr schnell weg von jeglichem Gewinn. So muss der Materialaufwand (2018: 234 Mio. €) nur um etwa 3,8 % steigen, damit wir bei 0 € Gewinn/Verlust sind.

Genauso wie höhere Margen ein Indiz für einen großen Burggraben sind, sind geringe Margen ein Indiz, aber kein Beweis, für einen fehlenden Burggraben. Phillips 66 ist hierfür ein sehr gutes Gegenbeispiel. Sie haben z. B. mit ihrem riesigen Pipelinenetz in den USA, welches kaum nachbaubar ist, einen so gut wie unüberwindbaren Burggraben. Trotzdem erzielen sie keine hohen Nettomargen. Bei Phillips 66 mache ich mir aber kaum Sorgen, dass sie in Zukunft nicht weiter zufriedenstellenden Gewinn erwirtschaften werden.

Natürlich können dieses und die zukünftigen Jahre bei STS Group besser laufen als erwartet und der Wert des Unternehmens um 20 %, 50 % oder noch viel mehr steigen. Ich sehe bei der STS Group allerdings keinerlei Burggraben, welcher mit hoher Wahrscheinlichkeit zu vernünftigen Gewinnen führt. Und da Glücksspiel nichts für mich ist, sehe ich bei der Betrachtung des operativen Geschäfts keinen Einstiegsgrund. Falls sich jemand von euch besser mit der STS Group auskennt und Argumente hat, weshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft angemessene Gewinne erzielt werden, freue ich mich auf eure Kommentare.

Vom operativen Geschäft her sehe ich hier erstmals keinen Einstieg. Aber vielleicht hat die STS Group Vermögenswerte, welche einen Einstieg rechtfertigen?

Schaut man allerdings in die Bilanz, sieht man, dass zum einen die kurzfristigen Verbindlichkeiten in etwa den kurzfristigen Vermögenswerten entsprechen. Zum anderen stecken die langfristigen Vermögenswerte zu knapp 70 % (79 Mio. €) in Sachanalgen. Darunter wahrscheinlich auch einige sehr spezielle teure Produktionsmaschinen, welche auf dem Markt wohl viel weniger einbringen würden, falls sie, aus welchen Gründen auch immer, schnell verkauft werden müssten. Des Weiteren befinden sich 26 Mio. € in immateriellen Vermögenswerten. Folglich ist das Eigenkapital in Höhe von 82 Mio. € bei einer tatsächlichen Liquidierung (falls es irgendwann dazu kommen sollte) viel weniger wert und insbesondere viel weniger als die aktuelle Marktkapitalisierung in Höhe von 66 Mio. €.

Da ich also auch hier keine Unterbewertung erkennen kann, investiere ich aktuell nicht in die STS Group.


Seid ihr in manchen Punkten anderer Meinung, habt ihr Fragen oder sonstige Anmerkungen, dann hinterlasst gerne einen Kommentar… ich freue mich darauf 😊.

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